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Die Hertzhaimer-Jugend forscht

Gruppenbild Jugend ForschtTrostberg / Altenmarkt. Prüfen, messen, analysieren, probieren, erfinden, veröffentlichen – das Rüstzeug der Forscher. Auch in der Region herrscht Forschergeist: 19 Schüler aus den Gymnasien in Trostberg, Traunstein und Burghausen im Alter zwischen elf und 20 Jahren nehmen am heute stattfindenden Regionalentscheid von „Jugend forscht / Schüler experimentieren“ in Ottobrunn teil. Eine von ihnen ist Julia Grüner aus der K13 des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg.

Die 18-Jährige ist erstmals bei „Jugend forscht“ – mit einem heimatbezogenen Forschungsthema: „Abiotische Faktoren im Kleinbereich einer Flussaue: Schwankung der Wassertemperatur in Alz und Alzkanal bei Altenmarkt“. In ihrem Leistungskurs Biologie hat Julia ihre Facharbeit zu diesem Thema geschrieben.
Forschung an der Alz
Auf das Thema gebracht hat sie Kursleiter Helmut Goller. Er stellte mehrere Facharbeitsthemen zur Auswahl. Weil der Rest der Kursmitglieder sich um andere Themen gestritten hat, war ihr Thema leicht zu bekommen. Neben dem Heimatbezug spielte für die Altenmarkterin ein persönlicher Grund bei der Themenwahl eine Rolle. „Ich bin oft zum Baden an der Laufenau gewesen.“

In das anfangs unbekannte Thema hat sich Julia Grüner gründlich eingearbeitet. Um Grundlegendes über Fließgewässer als Ökosystem, die Alz und den Alzkanal zu erfahren, holte sie sich von einer Biologin des Wasserwirtschaftsamtes Informationen und las sich mit Hilfe von Büchern der Staatsbibliothek München ein. Am spannendsten fand sie die Erkenntnisse über die Entstehung des Alzkanals: „Früher war die Alz ein wilder Fluss. Der Kanal ist nicht, wie man meint, wegen der Wasserenergie entstanden, sondern damit die Alz nicht über die Ufer treten kann.“ Außerdem hat Julia die Trostberger und Schalchener Wasserkraftwerke besichtigt. Mitbekommen hat sie einen dicken Ordner mit Fotos aus der Zeit ab 1910, als die Kraftwerke gebaut wurden. „Das hat mich beeindruckt.“

Zum theoretischen Blickwinkel des Themas kam der praktische hinzu: Julia maß von März bis Oktober 2008 jeden Montag die Temperatur der Alz, ab Juli zusätzlich die Temperatur des Alzkanals, an der Oberfläche und am Grund. Den Messinstrumenten war das zuviel des Guten: „Meine Thermometer hatten einen hohen Verschleiß. Zwei sind kaputtgegangen.“ Dem Verlust der Ausrüstung steht der Erkenntnisgewinn gegenüber. „Ich bin zwar keinem Industrieverbrechen auf die Spur gekommen, aber ich habe grundlegende Sachen herausgefunden.“ Zum Beispiel, dass die Wassertemperatur ausgeglichener verläuft als die Lufttemperatur und dass der Alzkanal stets bis zu drei Grad Celsius kälter ist als die Alz. Das sollte eigentlich umgekehrt sein, weil Julia die Temperatur des Alzkanals weiter vom Chiemsee weg gemessen hat. „Je weiter sich ein Fluss von seiner Quelle entfernt, desto wärmer wird er.“ Warum das beim Alzkanal nicht so ist, liegt an der Traun. „Die bringt kälteres Wasser in den Kanal.“

Deutliche Unterschiede in der Wassertemperatur zwischen unten und oben ergaben sich nach einem starken Gewitter. „Der Fluss trägt dann viel Schwemmmaterial mit sich, und das Sonnenlicht kommt nicht mehr zum Grund runter.“ Eine wichtige Rolle für die Wassertemperatur hat auch der Nebel, „der aufsteigt und dem Wasser die Wärme entzieht“.

Helmut Goller, der als zweifacher Biologie-Leistungskursleiter die Arbeiten für „Jugend forscht“ betreut, hat aus 16 Biologie-Facharbeiten sieben mit großem Praxisanteil für den Wettbewerb ausgewählt. Die betroffenen Schüler mussten ihre Facharbeiten auf höchstens 15 Seiten kürzen und die wichtigsten Erkenntnisse ihrer Forschung auf Plakaten festhalten. Goller weiß, dass der Wettbewerb gerade im Abiturstress ein Mehraufwand ist. „Aber es lohnt sich.“

Auf dem Regionalentscheid von „Jugend forscht“, der heute auf dem Gelände der Patenfirma EADS in Ottobrunn stattfindet, hat jeder Bewerber einen eigenen Stand, an dem er sein Projekt vorstellt. Hinzu kommt ein halbstündiges Referat vor der Jury des jeweiligen Bereiches, die aus Fachleuten und ehemaligen Teilnehmern besteht. Goller: „Da herrscht eine lockere Atmosphäre, aber die fühlen einem schon auf den Zahn.“

Julia GrünerJulia Grüner hat die Plakate, Fotos und Diagramme für die Stellwand an ihrem Stand schon vorbereitet, das Referat noch nicht. „Ich kenn’ mich supergut aus. Mit der Zeit kommt man rein und kann frei über sein Thema reden.“ An den Wettbewerb geht sie gelassen heran. „Das Wichtigste ist, dass ich Erfahrungen sammle und sehe, wie so was abläuft.“ Auf Lampenfieber stellt sie sich jedoch schon ein. „Da laufen wichtige Leute in Kittel und Anzug rum. Ich bin dann sicher nervös, das weiß ich jetzt schon.“

Gespannt ist auch Helmut Goller, der seine Schüler nach eigenem Bekunden vordergründig als mentale Stütze nach Ottobrunn begleitet. „Man lernt dort eine Menge interessanter Leute kennen. Und blamieren wollen wir uns ja nicht.“ Hoffnungsvoll ist er. „Die Arbeiten haben alle ein schönes Niveau.“

Insgesamt sieben Trostberger Biologie-Leistungskursler unter der Regie von Helmut Goller versuchen ihr Glück. Die Chancen sind gut: Im Fachgebiet Biologie stehen sechs Hertzhaimern neun Kontrahenten gegenüber. Kurioses Faktum am Rande: Eine Hertzhaimer-Biologin wurde von der Jury in das Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften verschoben. Ein eindeutiger Vorteil, da sie dort nur eine Kontrahentin hat. Eine Premiere wäre ein Erfolg allerdings nicht: Zuletzt hat der Schüler Christoph Schießl dem Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg einen Jugend- forscht-Sonderpreis beschert.

Jufo 2009: Alle Themen im Überblick

Grüner Julia: Abiotische Faktoren in Kleinbereichen einer Flussaue: Schwankung der Wassertemperatur im Alzkanal bei Altenmarkt

Lischka Karin: Verhaltensbiologische Beobachtungen an einer Hengstherde

Goss Ilja: Untersuchungen zur Fauna der Streuschicht des Waldbodens

Remmelberger Benjamin: Von der Natur abgeschaut - Haftmechanismen auf Oberflächen

Scherr Matthias: Versuche zum Lernverhalten bei Mäusen

Schmidtner Anna: Fossilistion im Modellversuch

Taha Mubeen: Beobachtungen zum sozialen Verhalten bei Primaten im Münchner Zoo  

Ilja Goss

Benjamin Remmelberger

Matthias Scherr

Anna Schmidtner

Mubeen Thaha

Autor: Thomas von Eichhorn

 
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Dienstag, 07. September 2010
 
 
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